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Windenergie in Russland im Jahr 2016. Der Dualismus des Marktes.

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Wind Energie ist die ressourcenintensivste und gleichzeitig die für Investments attraktivste Form aller erneuerbaren Energien. Schon heute ist die Branche weltweit aufgestellt und verfügt über eine globale Infrastruktur. Die Technologien haben sich am Markt bewährt und die jährlichen Kapazitätszuwächse der Windkraft übertreffen selbst die Zuwächse der meisten traditionellen Stromgestehungstechnologien. In Russland begann die Erfolgsgeschichte der Windenergie allerdings erst vor einem Jahr. Ein wenig Geschichte.

Die Entwicklung von Windparks, sozusagen der erste Samen eines jeden Windmarktes, keimte schon lange bevor ein Subventionsschema für erneuerbare Energien in der russischen Gesetzgebung verankert wurde. Der Siegeszug der Windenergie um die Welt  schürten auch die Zuversicht bei kleinen Windparkprojektierern in Russland, dass bald auch in ihrer Heimat der Durchbruch der Windenergie bevorstehe und dafür natürlich bereits fertig entwickelte Windpark-Projekte benötigt würden. Für die kleinen Projektierungsbüros stellte das Ausarbeiten dieser ersten Projekte sowohl eine erhebliche Investition als auch ein beträchtliches Risiko dar. Obwohl das gesamte Investitionsvolumen, im Vergleich zum russischen Marktpotential, eher gering war, erarbeiteten die privaten Unternehmen, bereits bis zum Jahre 2013, Windpark-Projekte mit einer Kapazität von über 2000 MW. Oftmals erweisen sich solche privaten Investitionen als Wegbereiter für den Erfolg der Technologien der erneuerbaren Energien am Markt. Zu diesem Zeitpunkt hatte „Rushydro, das größte Wasserkraftunternehmen des Landes, an dem auch der Staat eine Beteiligung hält, sehr hohe Ambitionen im Bereich der Windkraft. Das Unternehmen hatte sogar die Marktführerschaft bei der Entwicklung von Windparks inne. Außerdem war „RusHydro“ Pionier bei der ersten Kontaktaufnahme mit internationalen Windturbinenherstellern und dem Ausarbeiten verschiedenster Alternativen für eine gesetzliche Förderung der erneuerbaren Energien. Kurzum, das Unternehmen legte damit den Grundstein des heutigen Marktes. Außerdem kann man mit bestem Gewissen festhalten, dass mit der Unterstüzung von „RusHydro“ viele Unternehmen gegründet wurden, die noch heute erfolgreich am Markt aktiv sind.

Obwohl in unserem Land bereits 2013 ein Subventionsprogramm für Windkraft und alle anderen erneuerbaren Energien verabschiedet wurde, starte der Windmarkt in diesem Jahr noch nicht durch. Durch das intensive Lobbying eines Herstellers wurde der unerreichbare  Lokalisierungsgrad von 65%, für die folgenden zwei Jahre, in der Gesetzgebung verankert. Dies machte Investitionen in den Markt äußerst unattraktiv, da die meisten Industrieinvestoren die Lokalisierungsanforderungen als äußerst abschreckend empfanden. Folglich erlosch das Interesse der Investoren am russischen Markt, welches eben erst erwacht war, wieder.

Trotz dieser schwierigen Umstände, reichte die tschechische Investmentgesellschaft „Falcon Capital” ein Projekt, mit 51 MW Leistung, zum offiziellen Auswahlverfahren für erneuerbare Energieprojekte ein. Das Projekt, welches sich im Süden Russlands, in der Republik Kalmykien, befindet, ist eines der am weitesten fortgeschrittenen und kompliziertesten Windprojekte in Russland. Gleichzeitig ist dies nur der erste Teil des Gesamtprojektes mit einer Kapazität von über 300 MW. Selbstverständlich ist das Risiko eines solchen Unterfangens sehr hoch und erfordert deshalb einen langfristigen und nachhaltig orientierten Weitblick. Am Ende entscheidet allerdings jeder Investor selbst, unter welchen Bedingungen er eine positive Investitionsentscheidung trifft. Letztendlich hat sich das eingegangene Risiko für „Falcon Capital” allerdings ausgezahlt, da mit der Regulierungsbehörde ein Kapazitätsvertrag abgeschlossen wurde und der Windpark zwischen 2015 und 2016 gebaut werden soll. In diesem Jahr hat „Falcon Capital“, mit dem deutschen Windturbinenhersteller „FWT“, einen Vertrag über die Lieferung von 17 hochmodernen Windturbinen unterzeichnet. Alles in allem war die Teilnahme des Unternehmens an der offiziellen Projektauswahl im Jahre 2014 von höchster Bedeutung für den russischen Markt, da dadurch neue Aufmerksamkeit auf den Markt und dessen großes Potential gelenkt wurde.

Allerdings bedurfte es einer mehr als einjährigen, sehr intensiven Zusammenarbeit aller Marktteilnehmer, sowie des Energieministeriums und des Industrie- und Handels Ministeriums, um die Barrieren in der Gesetzgebung zu beseitigen. So wurden die Lokalisierungsanforderungen auf ein “erreichbares” Niveau gesetzt und gleichzeitig die maximalen Kapitalausgaben verdoppelt, da Letztere, durch die Wechselkurskrise im Jahre 2014, bei weitem zu niedrig geworden waren. Dies waren die entscheidenden Impulse, welche das Marktgeschehen komplett veränderten, da viele potentielle Risiken eingedämmt wurden und somit Investitionen sehr attraktiv wurden.

Bereits kurz darauf wurde, bei dem offiziellen Auswahlverfahren für erneuerbare Energien-Projekte im Dezember 2015, das 35 MW Windprojekt der Firma „Fortum“ im Oblast Uljanovsk bezuschlagt. Der Standort des Projektes bringt allerdings einige Herausforderungen mit sich, sodass es dem Unternehmen höchste Anstrengungen abverlangte, um die Projektdokumentation zu erstellen und die Netzanbindung sicherzustellen. Das Unternehmen plant mit den Bauarbeiten bereits Anfang des Jahres 2017 zu beginnen. Die Turbinen für dieses Projekt werden von dem chinesischen Unternehmen „Dong Fang“ geliefert. Außerdem hatte „Fortum“, wie jeder Pionier, mit erheblichen Defiziten der gesetzlich geltenden Rahmenbedingungen, sowie der Unvereinbarkeit von Normen, zu kämpfen. Dies alles erschwerte natürlich die Erstellung der Projektdokumentation und erforderte oftmals deren Verteidigung vor den Behörden.

Im Juni 2016 wurde dann schließlich mit dem Markteintritt des Staatsunternehmens “Rosatom” die Attraktivität des Marktes offensichtlich. So reichte ein Tochterunternehmen von „Rosatom“, die JSC „VetroSGC“, mehrere Projekte, mit einer Gesamtkapazität von 600 MW, bei den offiziellen Auswahlverfahren für erneuerbare Energie-Projekte ein. „Rosatoms“ Interesse für den Windenergiesektor nahm seine Anfänge bereits im Jahr 2010, als das Unternehmen mit den Vorbereitungen für seinen Markteintritt begann. Es ist also wenig überraschend, dass die Projektvorbereitungsarbeiten für den ersten Windpark des Unternehmens, in der Region Adygea, mit einer Leistung von 150 MW, bereits in 2014 abgeschlossen wurden. Darüber hinaus hat das Unternehmen nicht nur ehrgeizige Ziele, sondern auch erhebliche Kapazitäten und Möglichkeiten. Dank ihres Mutterkonzerns hat die „VetroSGC“ nicht nur die Kompetenzen Windparks zu entwickeln und in diese zu investieren, sondern besitzt auch sämtliche Grundvoraussetzungen, um Turbinen der Multimegawattklasse herzustellen. Die Auswahl eines Technologiepartners, die das Unternehmen derzeit trifft, wird dabei von allen Marktteilnehmern mit höchster Spannung verfolgt.

Die russische Gesetzgebung zur Förderung von erneuerbaren Energien verlangt einen sehr hohen Lokalisierungsgrad, was in einem Land wie Russland, mit seinem hohem Produktionspotential, als äußerst logisch erscheint. Wie sich mittlerweile herausstellt, ist die Industrie des Landes bereit diese Anforderung zu erfüllen. So sind die führenden Metallverarbeitungs-, Energietechnik-, Verbundwerkstoff- und Schiffbauunternehmen nicht nur gewillt 65%, sondern sogar 100%, der Komponenten für Windkraftanlagen herzustellen. Die Lokalisierungsanforderungen sind deshalb eine hervorragende Möglichkeit für die Herstellenden- und Hochtechnologieunternehmen ihre Potentiale voll auszuschöpfen und somit neue Industriezweige in Russland entstehen zu lassen. Im Oktober 2016 eröffnete UK „Rosnano“ der Öffentlichkeit seine ehrgeizigen Ambitionen für den Windmarkt. So plant das Unternehmen die Herstellung der Rotorblätter. Dies ist einer der Hauptkomponenten einer Windkraftanalage, die auch den Großteil des intellektuellen Kapitals verkörpert. Des Weiteren wird „Ulananotech“, ein Tochterunternehmen von „Rosnano“, gemeinsam mit der Regierung des Ulyanovsk Oblast und anderen Unternehmen, ein neues Unternehmen zur Produktion von Windturbinen gründen. Doch das Unternehmen soll nicht nur Windturbinen bauen, sondern diese auch auf seinen selbstgeplanten Windparks installieren. Damit wäre das Unternehmen sowohl der Produzent als auch der Abnehmer seiner Windturbinen. Man kann deshalb davon ausgehen, dass das Unternehmen in naher Zukunft neue Windparkprojekte, eine solide Eigenfinanzierung und einen Technologiepartner präsentieren wird.

Der Markt hat demnach ein Szenario geschaffen, in welchem die Projektierer der „ersten Stunde“ keine Käufer für ihre geplanten Windparks finden. Falls tatsächlich Interessenten gefunden werden, so nur zu äußerst unzufriedenstellenden Konditionen. Normalerweise projektieren die Entwickler neue Projekte, um diese anschließend mit einem guten Gewinn „zu verkaufen“, da das benötigte Know-how und der geistige Input in ein solches Projekt immens sind. Das Problem für die Projektierer der ersten Stunde sind allerdings die „neuen“ Player, die nun in den Markt eintreten. Diese Unternehmen haben äußerst umfangreiche Ressourcen. So verfügen sie über die finanziellen und personellen Ressourcen, um ihre eigenen Projektierungsabteilungen für Windparks zu gründen. Sie haben deshalb kein Interesse daran einen höheren Preis für die Akquisition des geistigen Eigentums an einem Windparkprojekt zu bezahlen, da die Kosten für sie nur aus den Kosten für die Ausrüstung, den Kosten des Rekrutierungsprozesses und dem Gehalt von 2-3 Angestellten bestehen. Im Prinzip bedeutet das, dass die großen Unternehmen selbst die Entwickler, Investoren und Equipment-Hersteller für Windparks in einem sind. Dies ist folglich ein Marktmodell, in dem die unabhängigen Investoren fehlen, welche normalerweise die Kunden der Entwicklungsbüros wären. Es gibt also einen Markt und es werden tatsächlich Windparks gebaut, doch die unabhängigen Investoren sind bislang nicht im Markt präsent. Man kann allerdings vermuten, dass dieses Ungleichgewicht nur daran liegen kann, dass der Markt sich erst in seiner frühsten Anlaufphase befindet. Bislang haben nämlich nur solche Unternehmen den Markt betreten, die es sich leisten können ein hohes Risiko einzugehen, oder eben solche, die mit ihren Tätigkeiten mehrere Marktsegmente abdecken und somit natürlich das Risiko verringern.

Durch das stetig steigende Interesse der erfahrenen Akteure der asiatischen, europäischen und amerikanischen Märkte steigt auch zusehends das Interesse der Investoren. Aus diesem Interesse werden allerdings erst dann reale und hohe Investitionen werden, wenn in Russland die ersten Windparks am Netz sind. Erst dann werden die Akteure des Marktes den gesamten Entwicklungsprozess eines Windparks, von der Designphase, über den Rohbau und die Inbetriebnahme bis hin zur  Betriebsphase durchlaufen haben. Außerdem werden die lokalen Produktionspartner aus den hoffentlich kleinen, anfänglichen Schwierigkeiten und Fehlplanungen ihre Lehren ziehen. Jetzt gilt es weiter zu arbeiten und nach vorne zu schauen.

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